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minimalismus? nein, danke!

es klingt sooo verlockend: nur mehr die dinge besitzen, die man braucht. zu hause nur mehr die sachen herumstehen haben, die man auch wirklich nutzt. wenn ich nur an mein badezimmer denke, da steht auf jeden fall VIEL MEHR herum als ich in meinem ganzen leben verwenden kann. ist das wirklich notwendig? ich schätz mal, die antwort lautet „nein“.

wieviele dinge in meinem leben brauche ich denn wirklich?

vor ein paar wochen habe ich mir bei ikea eine kleiderstange gekauft. ich verspürte einen inneren drang, diese kleiderstange zu kaufen. ich „brauchte“ sie plötzlich ganz dringend. warum? weil ich so viele kleider und blusen besitze, die ich nicht unbedingt falten und in einen schrank legen will (aus irgendeinem mir unbekannten grund bügle ich in letzter zeit gerne meine kleider). früher war mir das völlig wurscht. jetzt, wo ich in der modebranche arbeite, ist es mir ehrlich gesagt nicht mehr egal, wie ich aussehe. wenn ich meine kleider bügele, dann will ich klarerweise nicht, dass ich sie gleich danach zusammenfalte und sie bügelfalten bekommen. ok, früher war es mir auch nicht komplett egal – da würde ich lügen. aber jetzt eben noch weniger.

ja – das ist oberflächlich, aber ich kann damit leben.

in letzter zeit ertappe ich mich öfter dabei, artikel und videos zum thema minimalismus zu lesen und anzuschauen. da gibts wirklich viel auswahl. das hat sich in den letzten jahren zu einem ordentlichen trend ausgewachsen. und mir gefällt dieser trend auch. keine frage. ich wär selber auch gern teil davon. aber ehrlich gesagt: ich habs noch nicht einmal probiert.

dran gedacht hab ich sehr wohl. ich stelle mir vor, ich würde alle t-shirts und hosen aussortieren, die ich nicht mehr anziehe. gnadenlos. und die bringe ich dann zur altkleidersammlung. aber mehr als die vorstellung wird einfach nicht draus. der grund, warum nicht mehr draus wird, ist folgender: ich kann mich einfach nicht von gewissen dingen trennen. ich verbinde damit meine vergangenheit, mein leben, gewisse situationen und erlebnisse.

und heute habe ich einen sehr schönen artikel auf zeit.de zu dem thema gelesen.

kurz zusammengefasst geht es darin darum, dass besitz auch ein teil der eigenen identität ist. und damit kann ich mich sehr gut identifizieren. wenn ich zum beispiel an meinen schlafsack denke, mit dem ich schon auf diversen urlauben und festivals war, dann verbinde ich damit eigentlich nur positive erinnerungen. wenn ich meine kameras sehe, dann denke ich dabei an die situationen und stationen meines lebens, die mir filme (ja, auch analoge) und fotos wert waren. bestimmte kleidungsstücke verbinde ich ebenfalls mit gewissen ereignissen und wenn ich sie in meinem kleiderschrank sehe, dann ist es wie bei diesem einen song im radio, den man eben mit einer bestimmten lebensphase verbindet.

wieso sollte ich diese erinnerungen weggeben? wer zum teufel kann sich von erinnerungsstücken trennen?

ok, die erinnerungen an sich sind ja nicht weg nur weil ich die dinge, mit denen ich sie verbinde hergebe. und schlechte erinnerungen, ja – die braucht wohl keiner, aber sie gehören halt auch zum leben. aber indem ich meine erinnerungsstücke und mitbringsel hergebe, sind sie nicht mehr präsent. aus den augen – aus dem sinn. ich bin mir sicher, dass ich mich an gewisse dinge nur deshalb erinnern kann, weil ich durch sachen daran erinnert werde. und das finde ich schön. ich gehöre z.b. zu den menschen, die noch fotoalben gestalten. ich fotografiere zwar analog UND digital, aber was mich an der digitalen fotografie stört ist der umstand, dass man keine physischen fotos mehr besitzt. während des urlaubes oder ausfluges oder sonstwas, werden mit handy und digicams viel mehr fotos gemacht. im endeffekt existieren aber nur mehr wenige abzüge, oder? und wer setzt sich so wie früher mit der verwandtschaft ins wohnzimmer und schaut sich gemeinsam die fotos des letzten griechenland urlaubs an? genau niemand. wenn ich jetzt meine fotos am computer durchschaue, dann meistens weil ich zufällig darauf stoße oder weil ich ein foto brauche. und wenn ich sie dann sehe, freue ich mich natürlich.

besitz ist auch status. und für mich ist das wichtig.

bei manchen dingen, die ich mir kaufe, lege ich tatsächlich wert darauf, dass sie bekannt sind und dass sie auch wiedererkennungswert haben. aber das hat ein statussymbol halt so an sich. was nützt mir das teuerste teil wenn niemand weiß wie teuer es ist? das klingt jetzt so, als ob ich mir teure sachen leisten könnte… kann ich nicht. aber wenn doch, dann kaufe ich sie gebraucht über willhaben.at. aber ich würde mir gern gewisse dinge einfach so leisten können. na jedenfalls, um zurück zum thema zu kommen: ich habe relativ viel „besitz“ angehäuft.

und vieles davon brauche ich nicht.

aber was braucht man schon wirklich? ich war schon öfter in der situation dass ich einfach in der miesn war, wie man so schön sagt. in diesen phasen habe ich gesehen, dass ich auch mit wenig geld gut leben kann und dass es eigentlich keinen unterschied macht, ob ich den neuesten scheiß der halt grad in ist, besitze. meine freunde mögen mich wie ich bin, auch ohne 200 euro jeans. besitz bedeutet für mich einfach eine gewisse lebensqualität. und darauf will ich nicht verzichten. ich will mich nicht permanent einschränken müssen, weil der minimalistische lifestyle es mir nicht erlaubt mir ab zu selbst was zu gönnen. oder habe ich das falsch verstanden?

Veröffentlicht in life shopping

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